In Deutschland liegt die Zahl der Erkrankungen derzeit bei 15 Fällen, das scheint mir nicht viel, wenn man bedenkt, dass die erste Erkrankung doch schon einige Zeit zurück liegt. Wie geht man denn mit dem Thema Schweinegrippe in Japan um? Sehr schnell nach Beginn der Ausbreitung in Mexiko und den USA wurden an den Flughäfen Kontrollen eingeführt. Bei allen Flügen aus Mexiko und USA wurde den Passagieren noch im Flugzeug Fieber gemessen. Das bedeutete ca. 1 Stunde im Flieger warten. Wir haben es bei einem Bekannten der grad nach Japan einreiste selbst erlebt. Zwei Tage nach der Einreise wurde dann telefonisch nach dem Befinden der Person gefragt. So durfte man sich auf der Insel doch ganz gut geschützt fühlen. Aber was würden die Behörden machen, wenn dann wirklich mal einer mit Anzeichen der Grippe im Flugzeug sitzt? Gar nicht erst ins Land lassen?
Dumm nur, dass es dann vor etwa 2 Wochen eine japanische Schülergruppe war, die von einer Reise nach Canada zurück kam, bei der 3 Erkrankungen festgestellt wurden. So langsam wurden die Japaner nervös.
Letzten Freitag dann die Meldung der ersten Ansteckung innerhalb Japans. Am Samstag waren es dann schon 8 Personen, und das dann ausgerechnet in unserer Stadt, Kobe. Die Behörden reagierten schnell. Sofort wurden in der Stadt und im Landkreis alle Kindergärten und Schulen für eine Woche geschlossen. Die Ansteckung erfolgte nämlich über Schüler. Einige der 8 Erkrankten haben an dem Tag an einem Sport-Vergleichswettkampf mehrerer Schulen teilgenommen. Am Montag lag die Zahl der betroffenen Personen bei 132. Die Zahl steigt weiter, aber nicht mehr so rasant, breitet sich aber über Japan aus.
Für die Japaner ist diese Grippewelle eine Katastrophe. Schon im Normalfall hat man Angst in der Masse angesteckt zu werden. Aber bei dieser "unbekannten" Krankheit ist die Unsicherheit noch größer. Im Großraum Kobe/Osaka leben über 4,5 Mio. Menschen auf engem Raum zusammen. Die meisten benutzen Bahnen und Busse um in die Arbeit oder zur Schule zu kommen, da kann man der Begegnung mit Menschenmassen kaum ausweichen.
Die "Schutzmasken" sind für Japaner ein normales Bild in der Erkältungszeit, und zwar aus Rücksicht auf die Mitmenschen. Denn wer krank ist trägt eine Maske, und nicht wer sich schützen will (gelegentlich aber doch auch). Da kann man sich vielleicht vorstellen, dass augenblicklich fast jeder eine Maske trägt. Zwischenzeitlich waren diese Dinger in einigen Läden schon ausverkauft (das ist dann etwa so, als gäbe es in München keine Tempo-Taschentücher mehr).
Die eine Woche Zwangsferien sind jetzt wieder vorbei, es spielt sich alles wieder ein. Selbst in den japanischen Medien kann man ab und an was von der Paranoia der Japaner lesen.
Wir haben uns auch mal Schutzmasken zugelegt, die Kinder mussten welche für die Schule haben und zeigen mal ein (gestelltes) Foto.